‘Die grüne Perle Afrikas’

Musiisbye otyanno, Bannyabo ne Bassebo!

Das bedeutet soviel wie ‘Guten Abend, Damen und Herren’, einige der wenigen Wörter die wir schon an Luganda gelernt haben. Wo fange ich an .. Der Flug verlief gut, anstrengend aber es hat sich schon allein für die Luft gelohnt, die wir riechen durften, als wir aus dem Flieger stiegen. Palmen um uns herum und trotz tiefster, afrikanischer Nacht, Wärme. Wir wurden abgeholt, als es gerade hell war, sodass wir bei der Fahrt von Entebbe nach Luweero-Kasana schon viele Leute und viel Landschaft bewundern konnten. Das erste was dabei aufgefallen ist: Alle Menschen sind dunkel und alles um uns herum ist grün! Alle Häuser sind einfach mitten in die Landschaft gesetzt, zwischen Palmen und außergewöhnlichen Blumen, zwischen denen Hühner, Ziegen und Kühe herumlaufen. Im Guesthouse angekommen wurden wir so herzlich von Maria, unserer Gastmama, empfangen und direkt in unsere Zimmer geführt, die by the way für die ärmlichen Verhältnisse um uns herum vom aller Feinsten sind, genau wie das restliche Haus, auch wenn es das für unsere deutschen Verhältnisse nicht so wäre. Der 1. Tag im Krankenhaus war ernüchternd. Jede Abteilung wurde uns gezeigt und wir konnten uns entscheiden, in welcher wir zuerst arbeiten wollten, wobei sich Clara für die Kinder- und ich mich für die Geburtenstation entschieden habe. Allerdings musste ich feststellen, dass es wirklich schwierig ist, dort einfach ohne Skills zu kommen und zu meinen man könne direkt mithelfen, in einem Land, welches man nicht kennt, mit Menschen, die man nicht kennt und die einen so krassen Akzent im Englischen haben, dass man sie am Anfang kaum versteht und die untereinander nur Luganda sprechen. Ergo: es war nichts zu tun und Abends war ich etwas unmotiviert, am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen. Allerdings unbegründet, denn die Tage bis jetzt wurden immer besser, ich hatte mit den Schwangeren Müttern zu tun, durfte mit zum Ultraschall, hab selbst eine Transfusion mit frischen Blut bei einer Patientin verlegt und gestern habe ich bei zwei Geburten zugeschaut, wobei die eine ein Kaiserschnitt war, bei der ich sogar im OP helfen durfte. Das war ein unvergesslicher Moment, diesen kleinen Menschen im Arm zu halten, unglaublich! Ein winziges Mädchen mit großen Kulleraugen und brauner Haut. Nach der Arbeit waren Clara und ich in der ‘Stadt’- eine Straße die durch das Dorf Kasana nach Luweero führt, sehr ärmlich, aber wunderschön. Wir wurden allerdings angesehen wie Außerirdische, denn Weiße sind in einem so kleinen Dorf eine wirkliche Attraktion, wir haben heute das erste mal einen anderen Weißen gesehen. Die Kinder laufen uns nach, winken und rufen laut ‘Muzungu’, was soviel heißt wie ‘Weiße’. Ein kleines Mädchen nimmt jedes mal ihre Mama an die Hand wenn sie mich sieht, macht große Augen und lächelt mir dann zu. Die Kinder sind süßer als Zucker, ohne Witz. Aber heute war definitiv der Höhepunkt, der schönste Tag bis jetzt. Gestern kam ein Einwohner zu unserem Haus und erzählte uns, dass er ein Freund unserer Vorgängerin sei, Cosmos. Ein sehr netter, junger Mann, 22 Jahre alt. Wir waren etwas skeptisch, aber Maria versicherte uns, dass er ein sehr netter Kerl sei, also haben wir uns heute mit ihm verabredet, damit er uns die Stadt zeigt, ein paar Läden und uns ein wenig Luganda beibringt. Morgens sind wir von Kasana aus durch die Hitze nach Luweero gelaufen. Ihr müsst wissen, es ist gerade Regenzeit, aber das heißt nicht dass es die ganze Zeit regnet, aber wenn, dann richtig! Aber wenn die Sonne scheint, ist es heiß wie sonst was, trotz eincremen haben Clara und ich uns erst mal schön einen Sonnenbrand geholt. Wie auch immer. Am Nachmittag sind wir dann mit Boda-Bodas, kleinen Motorrad-Taxis, in ein abgelegenes Dörfchen gefahren, das ‘Safari-Village’. Ohne Scheiß, ich hab noch nie so was Schönes gesehen. Es war einfach nur komplettes Grün, ein kleiner Fußballplatz für die Kinder, traditionelle Häuser, Wälder aus Palmen um uns herum, Hühner und das Beste: ein zahmer Affe! Der Einwohner hat ihn raus gelassen und wir durften ihn streicheln und er ist uns die ganze Zeit hinterher gelaufen. Sowas Geiles! Dann wurde uns etwas über die Kultur von Masai erzählt und gezeigt, womit sie Musik machen, Essen transportieren und verwerten und auch Wasser gewinnen können. Es war ein magischer Ort, ohne Lärm, ein perfekter Ort um zu entspannen und einfach um nachzudenken. Wir sind nun immer willkommen dort, wurde uns gesagt. Danach gab es noch nen Abendtee und leckeres, ugandischen Brot, was ein wenig schmeckt wie Schmalzkuchen auf dem Freimarkt. Ich liebe es! Morgen geht’s ab zum ersten Gottesdienst in Afrika, singen, tanzen und beten – um 7 Uhr morgens. Aber das ist okay, ich freu mich sehr darauf! Im großen und ganzen kann ich sagen, dass ich echt so zufrieden bin. Clara und mir fällt jeden Tag auf, was wir doch für ein Glück haben, dass wir hier sein dürfen, zusammen auch noch. Wir verstehen uns sau gut, ich denke das zieht alles ein wenig hoch. Denn Kulturschock und Heimweh bleiben trotz der tollen Eindrücke eindeutig nicht aus. Der Gedanke, alles für ein Jahr daheim zu lassen ist so so so schwierig und hier zu leben ohne wirkliche Freunde, Familie, Hobbys, im Grunde ein Leben ist schon krass. Aber ich merke, man lernt von Tag zu Tag mehr Wörter auf Luganda und auch der englische Akzent der Menschen wird verständlicher, die Gesichter werden bekannter, die Umgebung vertrauter und das ‘Glotzen’ der Menschen gewöhnlicher. Trotzdem wird es noch einige Zeit dauern, bis wir uns wirklich eingelebt haben. In diesem Sinne schick ich euch ganz viel Liebe rüber nach Deutschland und ganz viele Küsse, ihr könnt euch sicher sein, dass ich euch vermisse! Eure Rabea, oder wie die Ugander mich nennen: Namatovu!

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2 Gedanken zu “‘Die grüne Perle Afrikas’

  1. Liebe Rabea ! Es ist so spannend zu lesen,was du schreibst .Danke dafür,dass wir dadurch an deinem jetzigen Leben teilhaben dürfen !!! Wir wünschen dir weiterhin eine gute Zeit und freuen uns auf deine weiteren Berichte… Ganz liebe Grüße aus Syke auch an deine Freundin, Ulrike

    • Hallo Rabea, wir haben Dich kurz in Syke kennen gelernt, als ihr den Nils zu Hause abgesetzt habt. Wir sind die “Argentinier”. Toller Bericht von Dir. Ich kann es nach empfinden. Als ich etwas aelter als Du jetzt bist war, machte ich aehnliche Erfahrungen in Indien. Weiterhin alles Gute! Bleib gesund!!

      Gruess, Reiner und Marlis Barlsen

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